Haustiere
Haustiere sind weit mehr als Tiere, die bei uns leben. Sie begleiten Familien, prägen Kindheiten, spenden Trost, strukturieren den Alltag und stellen uns immer wieder vor Verantwortung und Entscheidungen.
In dieser Rubrik geht es nicht um einzelne Tierarten, sondern um grundsätzliche Fragen rund um das Zusammenleben von Mensch und Tier: um Erwartungen, Verantwortung, Nähe – und auch um die Grenzen dessen, was Tierhaltung leisten kann oder darf.
Die hier versammelten Artikel beleuchten unterschiedliche Lebenssituationen, Perspektiven und Themen rund ums Haustier. Sachlich, ehrlich und immer mit Blick auf das Wohl der Tiere.
Ein Haustier zum Kuscheln
Haustiere mit einem hohen Kuschelfaktor sind besonders beliebt und gerade bei kleinen Kindern gern gesehene Spielkameraden. Der Wunsch nach Nähe, Streicheleinheiten und einem tierischen Freund zum Liebhaben ist verständlich – doch nicht jedes Haustier empfindet Körperkontakt als angenehm.
Während Hund, Katze und Co. oft als klassische „Kuscheltiere“ gelten, könnten andere Haustiere wie etwa der Kanarienvogel oder die Schildkröte problemlos darauf verzichten, von Herrchen und Frauchen tagein, tagaus betüddelt zu werden.
Wer sich erst noch einen tierischen Begleiter ins Haus holen möchte und dabei vor allem ein Haustier zum Kuscheln sucht, sollte sich im Vorfeld gut informieren. Denn nicht nur die Tierart spielt eine Rolle, sondern auch Charakter, Alter und individuelle Vorlieben des Tieres.
Grundsätzlich gilt: Jedes Tier hat seinen eigenen Kopf und entscheidet selbst, ob und wann es Nähe zulassen möchte. Tierhalter sollten es ihren Lieblingen daher nicht übel nehmen, wenn diese einfach einmal ihre Ruhe haben möchten oder gerade nicht zum Kuscheln aufgelegt sind.
Welche Haustiere eignen sich zum Kuscheln – oder auch nicht?
Die Katze
Es dürfte kaum überraschen, dass die Katze für viele Menschen das Inbild eines kuscheligen Haustiers ist. Tatsächlich führen Katzen die Rangliste der Tiere an, die gern Nähe zum Menschen suchen – allerdings zu ihren eigenen Bedingungen.
Einerseits lieben Stubentiger Wärme und Geborgenheit. Das gilt besonders für reine Wohnungskatzen, die kein dickes Winterfell entwickeln. Ob auf der Heizung, vor dem Ofen oder im Bett ihres Menschen: Warme, gemütliche Plätze sind für Katzen äußerst attraktiv.
Doch Nähe bedeutet für Katzen nicht nur Körperkontakt. Reibt sich eine Katze an ihrem Menschen, legt sich auf ihn oder streicht um dessen Beine, entsteht ein gemeinsamer Gruppengeruch. Dieser spielt im Sozialverhalten von Katzen eine wichtige Rolle und ist ein Zeichen von Zugehörigkeit.
Wissenschaftler vermuten zudem, dass Katzen ihr Leben lang einen Teil ihres kittenhaften Verhaltens behalten. Sie könnten den Menschen daher als eine Art Muttertier wahrnehmen und Streicheln sowie Liebkosungen ähnlich einordnen wie die Fellpflege durch eine Katzenmutter.
Auffällig ist auch die ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit von Hauskatzen. Sie haben gelernt, ihren Menschen mithilfe verschiedener Laute mitzuteilen, was sie möchten. Bei erwachsenen Wildkatzen wie der Wild- oder Falbkatze lässt sich dieses Verhalten kaum beobachten – sie miauen untereinander praktisch nicht.
Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Untersuchung der Universität von Sussex in Brighton, über die unter anderem 3sat berichtete. Demnach nutzen Katzen eine Tonlage, die der von weinenden Babys ähnelt:
„Wir glauben, dass Katzen ihr Miau dramatisch übertreiben, wenn sie damit Erfolg haben und die gewünschte Reaktion bei Menschen erreichen. Diesen Trick wenden Katzen vor allem dann an, wenn sie in einem kleinen Haushalt mit nur einer oder zwei Bezugspersonen leben. Gehören sie jedoch einer großen Familie an, in der sie nur eine untergeordnete Rolle spielen, ersparen sie sich diese Anstrengung und sind kaum zu vernehmen.“
Der Hund
Geht es um Haustiere, fällt die Entscheidung häufig zwischen Hund und Katze. Beide Tierarten sind sehr unterschiedlich und zugleich gleichermaßen faszinierend. Entsprechend leidenschaftlich wird oft darüber diskutiert, welches Tier das „bessere“ Haustier ist – und nicht selten heißt es, man könne entweder Katzen- oder Hundefreund sein, niemals jedoch beides. Ganz so ernst sollte man diesen Wettstreit zwar nicht nehmen, dennoch gibt es durchaus gewichtige Unterschiede.
Wer sich für einen Hund entscheidet, bekommt nicht nur eines der beliebtesten Haustiere, sondern meist auch einen tierischen Begleiter, der aktiv die Nähe seines Menschen sucht. Hunde gelten als loyale Gefährten und orientieren sich stark an ihren Bezugspersonen, die sie häufig als Rudelstruktur wahrnehmen.
Allerdings ist nicht jeder Hund automatisch ein idealer Kuschelpartner. Das liegt zum Teil an der Größe mancher Rassen, aber auch am individuellen Temperament. Große Hunde wie Bernhardiner, Deutsche Doggen oder Schäferhunde können trotz ihrer Statur zuverlässige und enge Begleiter sein. Der klassische Kuschelfaktor zeigt sich jedoch oft bei kleineren Rassen wie Pekinesen, Australian Terriern oder Chihuahuas, die körperliche Nähe besonders genießen.
Unabhängig von der Rasse sind Hunde aktive Tiere, die nicht jederzeit gestreichelt werden möchten. Nach ausgiebigem Toben, Spielen oder Training brauchen viele Hunde erst einmal Ruhe. In solchen Momenten ist Streicheln nicht zwangsläufig eine Belohnung – ein Leckerbissen oder einfach Abstand kann deutlich angenehmer sein.
Auch in ungewohnten Situationen, etwa in einer fremden Wohnung oder Umgebung, reagieren Hunde sensibel. Zwar suchen sie dann oft die Nähe ihres Menschen, möchten die Situation aber gleichzeitig aufmerksam beobachten und nicht zusätzlich durch Körperkontakt abgelenkt werden.
Wie wir Menschen können auch Hunde einen stressigen Tag haben. Dann wünschen sie sich vor allem eines: Ruhe, Sicherheit und Erholung – und eben nicht zwangsläufig Nähe oder Kuscheleinheiten.
„Kuschelige“ Kleintiere? Kaninchen, Meerschweinchen und Co.
Kleintiere sind vor allem bei Kindern sehr beliebt – allen voran Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster oder Mäuse. Sie punkten auf den ersten Blick mit flauschigem Fell, Kulleraugen und ihrer handlichen Größe. Dennoch sollte auch hier immer eine artgerechte Haltung im Mittelpunkt stehen. Dazu gehören vor allem ausreichend Platz, Beschäftigung und – ganz besonders wichtig – mindestens ein Artgenosse.
Informiert euch gründlich darüber, was die flauschigen Mitbewohner für ein artgerechtes und gutes Leben benötigen. Wichtig ist dabei zu wissen: Kleine Tiere wie Mäuse, Hamster oder Kaninchen sind Fluchttiere. Vorsicht und Schreckhaftigkeit gehören zu ihrem natürlichen Verhalten.
Aus diesem Grund sollten sie niemals gewaltsam aus ihrem Rückzugsort hervorgeholt werden, denn das bedeutet massiven Stress. Dieser kann dazu führen, dass die Tiere Angst vor Menschen entwickeln oder sich aus Unsicherheit heraus mit Beißen oder Kratzen zu schützen versuchen.
Wirklich kuscheln mögen die allerwenigsten Kleintiere. Vorsichtiges Streicheln kann für zutrauliche Tiere in Ordnung sein – allerdings nur dann, wenn sie jederzeit die Möglichkeit haben, der Hand auszuweichen und selbst Abstand zu nehmen.
Vögel
Beliebt sind vor allem Wellensittiche und Kanarienvögel, die in vielen deutschen Haushalten verbreitet sind. Die bunten Vögel haben zwar kein dichtes Fell, dafür aber ein weiches, samtiges Federkleid. Kraulen lassen sich die meisten Vögel jedoch am liebsten von Artgenossen.
Einige wenige, sehr zahme Vögel mögen es, wenn ihr Mensch ihnen vorsichtig den Kopf oder die Brust streichelt. Dennoch gilt auch hier: Vögel sind Fluchttiere und sollten niemals zu Nähe oder Körperkontakt gedrängt werden. Möchte ein Vogel nicht kuscheln, muss das respektiert werden.
Kein Mensch kann übrigens jemals einen zweiten Vogel ersetzen. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass Vögel niemals allein gehalten werden. Die Tiere sind hochsozial und vereinsamen schnell, wenn der Mensch ihre einzige Bezugsperson ist. Zudem ist das gegenseitige Putzverhalten zweier Vögel deutlich intimer und zärtlicher, als es ein Mensch mit seinen vergleichsweise großen und unbeholfenen Händen je leisten könnte.
Und selbst wenn Kanarienvogel oder Wellensittich keine großen Kuschler sind: Es ist auch auf andere Weise schön, sie zu beobachten. Gegenseitige Gefiederpflege oder das dicht aneinandergedrückte Dösen auf einem Ast wirkt oft inniger als jede Streicheleinheit.
Ausnahmen gibt es natürlich auch hier. Einige Vögel sind ihren Menschen gegenüber so zutraulich, dass sie gern in ihrer Nähe bleiben und sich aktiv beschäftigen lassen – auch in Paar- oder Gruppenhaltung.
Exoten
Neben den bekannten Haustierklassikern gibt es inzwischen auch zahlreiche exotische Tiere, die als Haustiere gehalten werden. Dazu zählen Schildkröten, Schlangen, Echsen oder auch Vogelspinnen. Immer wieder wird angenommen, dass auch diese Tiere Zuneigung oder Streicheleinheiten genießen können – die Realität sieht jedoch meist anders aus.
Eine zahme Schildkröte lässt sich mitunter am Hals kraulen, und auch Vogelspinnen wirken mit ihrem dichten, weichen Pelz auf manche Menschen beinahe einladend. Ob sie Berührungen tatsächlich als angenehm empfinden, ist jedoch fraglich. Wahrscheinlicher ist, dass viele dieser Tiere den Kontakt lediglich tolerieren, wenn sie ihren Halter gut kennen – nicht, weil sie ihn aktiv suchen.
Hinzu kommt, dass das Herausnehmen aus dem Terrarium für Exoten in der Regel eine Stresssituation darstellt. Berührungen sind daher kaum geeignet, um dem Tier etwas Gutes zu tun. Zwar gewöhnen sich einige wärmeliebende Spinnenarten oder Reptilien an gelegentlichen Kontakt, doch auch hier gilt: Nähe ist kein Bedürfnis, sondern bestenfalls etwas, das sie hinnehmen.
Für die meisten Amphibien und Reptilien ist ein stabiles, artgerechtes Umfeld deutlich wichtiger als menschliche Zuwendung. Sie fühlen sich am wohlsten, wenn Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Rückzugsorte und Tagesrhythmus stimmen. Berührungen werden von vielen Tieren zwar toleriert, aktiv gesucht werden sie jedoch nicht.
Echte „Kuscheltiere“ sind Exoten daher niemals – und sollten auch nicht als solche betrachtet oder behandelt werden.
Kuschelige Haustiere – müssen es immer Tierkinder sein?
Geht es um besonders liebesbedürftige und kuschelige tierische Begleiter, fällt die Wahl fast immer auf Säugetiere – und damit vor allem auf Katzen, Hunde oder Kleintiere. Ist die Entscheidung gefallen, wünschen sich viele Menschen am liebsten ein junges Tier, also etwa einen Welpen oder ein Kätzchen. Das ist nachvollziehbar, denn junge Tiere wirken besonders anhänglich, verspielt und niedlich.
Dennoch sollten zukünftige Tierhalter unbedingt auch die Möglichkeit in Betracht ziehen, ein Tier aus dem Tierheim aufzunehmen. Nach Angaben großer Tierschutzorganisationen wie dem Deutschen Tierschutzbund landen in Deutschland jedes Jahr mehrere hunderttausend Tiere in Tierheimen – aus ganz unterschiedlichen Gründen.
Hartnäckig hält sich das Vorurteil, diese Tiere seien „schwierig“ oder nicht gut in Familien integrierbar. Das trifft jedoch keineswegs pauschal zu. Zwar haben einige Tierheimtiere bereits negative Erfahrungen gemacht, bringen Ängste mit oder zeigen bestimmte Verhaltensmuster. Doch all das muss kein Ausschlusskriterium sein – im Gegenteil.
Viele Tiere sind sehr dankbar, wenn sie endlich wieder in eine feste Familie ziehen dürfen, und fügen sich mit Geduld und Einfühlungsvermögen hervorragend in den Alltag ein. Ein weiterer Vorteil von Tierheimen ist die Vielfalt an Charakteren: Ob ruhig und verschmust oder aktiv und verspielt – hier lässt sich oft gezielt ein Tier finden, das wirklich zum eigenen Leben passt.
Einordnung für Kinder
Wenn Kinder sich ein Haustier wünschen und viele Fragen im Raum stehen, kann ein kindgerecht aufbereiteter Überblick hilfreich sein. Das Buch Haustiere – unsere liebsten Freunde richtet sich an Kinder ab etwa 8 Jahren und erklärt verständlich, welche unterschiedlichen Haustiere es gibt, welche Ansprüche sie haben und welche Verantwortung mit ihnen verbunden ist. Themen wie artgerechte Haltung, Nachtaktivität, Paar- oder Gruppenhaltung sowie Tierschutz werden altersgerecht eingeordnet, sodass Kinder sich selbst ein erstes Bild machen können.
* Partnerlink: Wenn du über einen solchen Link etwas kaufst, erhalte ich eine Provision, ohne dass es dich etwas extra kostet. Vielen Dank für deine Unterstützung!